Valet Parking & More




"Und plötzlich ist Ruhe"

was_logo_quadrat.gifAm Anfang fuhr Nicolas Ruland noch selbst. Heute hat er knapp 700 Chauffeure unter Vertrag und springt nur noch ein, wenn sonst gar keiner kann. Zuletzt war das bei der Fußball-WM 2006. Ruland chauffierte einen Gast zum Finale ins Olympiastadion - und der schenkte ihm prompt eine Eintrittskarte. Ob seine Fahrer so ein Geschenk auch annehmen dürften? Ruland überlegt. "Hm. Ja", sagt er.

Welt am Sonntag: Herr Ruland, haben Sie selbst ein Auto?
Nicolas Ruland: Ja, habe ich.

Wie oft lassen Sie sich chauffieren?
Ruland: Von meinen Fahrern eigentlich gar nicht.

Das wundert mich jetzt.
Ruland: Ich nehme halt ein Taxi, wenn ich von einer Veranstaltung nach Hause will.

Ist es Ihnen die Limousine peinlich?
Ruland: So weit käm's noch. Nein!

Lassen sich die Deutschen bedienen?
Ruland: Ich glaube ja. Da tut sich was seit ein paar Jahren.

Schuhputzer gibt es fast keine in Deutschland.
Ruland: Jetzt, wo Sie's sagen: stimmt. Das hat sich wohl nicht durchgesetzt.

Limousinenservice gehört für die meisten Menschen auch nicht zum Alltag. Was kostet das eigentlich?
Ruland: Ein Tag, das sind acht Stunden, kostet Sie in etwa 400 Euro inklusive aller Nebenkosten.

Und eine Runde durch Berlin, wie wir sie gerade machen?
Ruland: 55 Euro die Stunde. Es ist gesellschaftsfähiger geworden, in der Limousine gefahren zu werden, auch weil die Preise heute ein wenig gesellschaftsfähiger sind. Wer vor zehn Jahren in so einem Auto vorgefahren ist, hatte zwingend einen Haufen Geld. Wer es heute tut, denkt vielleicht nur praktisch.

Es sieht schon immer noch nach viel Geld aus, wenn der Fahrer einem die Tür einer S-Klasse aufhält.
Ruland: Das gehört zur Dienstleistung, das wissen unsere Kunden schon. Aber mal sehen, wie die Leute reagieren, wenn wir nachher in Kreuzberg aussteigen. Am Kudamm gäbe es keine Probleme.

Vorm Springer-Haus, wo wir hinfahren, auch eher nicht. Aber in der Stadt brennen gerade jede Nacht Autos. Hat es eines der Ihren erwischt?
Ruland: Nein, die werden ja sicher geparkt. Wenn ich die S-Klasse nachher in Kreuzberg abstelle, ist das Risiko natürlich höher, dass was passiert, als wenn sie bei mir auf dem Hof steht.

Wer sind Ihre Kunden?
Ruland: Unser Schwerpunkt liegt in Berlin. Besonders gut funktioniert der Flughafenservice, daran sieht man ja, dass die Leute es gern bequem haben und sich fahren lassen, obwohl Tegel ja sehr nah an der Stadt liegt. Das sind Privat- und Geschäftsleute, vieles kommt auch über unsere Partner in der Hotelbranche. Bei der Berlinale etwa bucht uns der Veranstalter, dann sind Promis die Gäste. Auf Ihrem Platz hier hat vielleicht schon einmal ein Weltstar gesessen.

Aha. Unterscheiden sich die Gäste im Fond, der Star von dem, der fix vom Flughafen ins Hotel will?
Ruland: Wenn sie einsteigen, sind alle ganz entspannt. Einchecken, fliegen, aussteigen, da ist ja immer Hektik. Sie steigen bei uns ein, und plötzlich ist Ruhe, Entspannung.

Was gehört zur Entspannung?
Ruland: Getränke, was zu lesen. Was haben wir denn sonst noch dabei? (Kramt in der Mittelkonsole.) Nüsse, Tempotaschentücher, Streichhölzer. Wenn ein Gast rauchen möchte, darf er das auch. Auch wenn es ein Nichtraucherwagen ist.

Die Berliner Fashion Week und die Berlinale sind Ihre Kunden. Erzählen Sie mal von Starallüren.
Ruland: Die richtigen Stars, die Weltstars, auch Vorstandschefs großer Unternehmen, sind sehr umgänglich. Allüren haben die, die gar keine Stars sind.

Keine Namen, nehme ich an.
Ruland: Keine Namen.

Fahren Sie nur dicke Wagen?
Ruland: Was sind denn für Sie dicke Wagen?

So einer hier.
Ruland: Wir fahren Audi A8, Mercedes S-Klasse, BMW 7er und VW Phaeton. Wenn Sie Mittelklasse fahren wollen, können Sie auch ein Taxi nehmen. Was wir nicht haben, sind die Stretchlimousinen wie in Amerika. Das ist nicht unser Metier. Und nicht unsere Kundschaft.

Die umweltfreundlichen Hybridwagen etwa fahren Sie nicht?
Ruland: Wir hatten mal eine Veranstaltung, für die VW Polos eingesetzt hat, wegen des geringen CO2-Ausstoßes. Beim Sommerfest des Bundespräsidenten haben wir die Gäste mit Mercedes Bluetec heimgebracht. Aber immer eher, weil der Veranstalter sich das wünscht, als weil die Kunden das wollen.

Seit elf Jahren gibt es Ihre Firma jetzt. Was hat sich geändert?
Ruland: Heute machen wir 80 Prozent des Umsatzes mit dem Limousinenservice. Angefangen haben wir damals mit Valet Parking, das heißt, dass Sie Ihr Auto bei uns abgeben, und nach der Veranstaltung fahren wir es wieder vor. Am Anfang hätten die Leute lieber ihre Frau bei uns abgegeben als Ihr Auto. Das hat sich stark verändert.

Wie war der Anfang?
Ruland: Ich habe in Amerika gesehen, dass Valet Parking gang und gäbe war. Das wollte ich nach Deutschland bringen. Wir waren junge Leute mit 20 und sahen aus wie 18. Ein Akzeptanzproblem hatten wir weniger bei den Autobesitzern als bei Veranstaltern. Wenn man denen sagt, wir möchten gern die Autos Ihrer Gäste parken - da hat man ja mal schnell eine halbe Million Euro an Wert herumstehen.

Was hat Ihre Bank gesagt?
Ruland: Angefangen haben wir mit 500 Mark Startkapital, da brauchten wir keine Bank. Heute wollen alle erst mal einen Businessplan haben und alles absichern. Wir haben es damals einfach gemacht.

Was haben Sie für das Geld gekauft?
Ruland: Visitenkarten, Briefpapier, die Internetseite. Das hat man alles damals für 500 Mark bekommen. Das Logo ist gleich geblieben, die Internetseite ist eine neue, das Briefpapier ist ein bisschen hochwertiger geworden.

Wann kam der Durchbruch?
Ruland: Die ersten drei Jahre haben wir fast gar kein Geld verdient. Ab 2002 konnten wir davon leben.

Gehört Selbstausbeutung dazu, wenn man eine Firma gründet?
Ruland: Das war schon in Ordnung. Wir hatten keinen Druck, keine Schulden, wir konnten das ganz entspannt angehen. Wir sind gesund gewachsen, mit beiden Beinen auf dem Boden und immer einer Hand am Geländer.

Was muss ein Fahrer können, wenn er bei Ihnen anfangen will?
Ruland: Er darf keine Punkte in Flensburg haben. Und wir wollen einiges wissen, etwa wie er auf Unvorhergesehenes reagiert.

Sagen wir, ein Filmstar sitzt im Auto und der Reifen platzt. Was tun Sie?
Ruland: Ganz ruhig bleiben und einen zweiten Wagen bestellen.

Das klingt ja nicht so schwer. Das Handbuch für Fahrer verlangt auch Dusche und Deo vor dem Einsatz. Muss man das vorschreiben?
Ruland: Ich sag's mal so: Das Handbuch ist aus Erfahrungen entstanden, die wir in elf Jahren gesammelt haben.

Macht Ihnen Autofahren Spaß?
Ruland: In der Stadt nicht so sehr. Aber ich würde gern einmal die Panamericana von Alaska bis Chile mit dem Auto fahren, die ganzen 25 000 Kilometer. In einem VW Bus, in dem man auch schlafen kann. Dann geht es auch mal ohne Dusche und Deo.

Fahrzeug: Mercedes S 320 CDI L
Baujahr: 2008
Leistung: 235 PS
Strecke: Vom Firmensitz von Valet Parking & More durch Berlin zum Axel-Springer-Hochhaus
Fahrzeit: 40 Minuten

Quelle: Welt am Sonntag 




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