Die Tricks der Berlinale-Chauffeure
Gutes Chauffieren, erzählt der Reinickendorfer, beginne schon mit dem Einsteigen: Er wartet am Fond, öffnet die rechte Tür und macht den einladendsten Gesichtsausdruck, den man sich denken kann. Das wirkt, zusammen mit den behaglich warmen Ledersitzen: Lange vor der Abfahrt hat Holzhüter die Sitzheizung angestellt. Er schließt die Tür - nicht zu laut - und geht anschließend um die gesamte Front herum zur Fahrertür. Wichtig ist: immer Sichtkontakt mit dem Fahrgast halten.
Welche Stars schon bei Tobias Holzhüter im Wagen saßen, darf er nicht verraten: Ein guter Chauffeur ist zum Schweigen verpflichtet, auch die eigene Neugier muss ein Fahrer zügeln.
Wenn Holzhüter die Limousine in Bewegung gesetzt hat, redet er nicht gleich drauflos, etwa über das Wetter, oder beschimpft lautstark den Vordermann. Nein - er schweigt. Notfalls während der gesamten Reise: "Manche möchten reden, andere einfach ihre Ruhe haben."
Bei der Berlinale werden von den Fahrern Fertigkeiten verlangt, die man allenfalls im Stau auf der Stadtautobahn üben kann: zum Beispiel im Schritttempo Kolonne fahren, während johlendes Volk um die Autos tanzt. Holzhüter und seine Kollegen kennen ihre Pappenheimer: Nach mehreren Jahren am roten Teppich haben sich viele Gesichter aufdringlicher Fotografen bereits eingeprägt. Und so ist es dem 38-Jährigen auch zur lieben Gewohnheit geworden, bereits auf der Fahrt zum Hotel, wo der prominente Fahrgast abgeholt werden soll, im Rückspiegel nach Verfolgern Ausschau zu halten. "Erfahrungsgemäß haben Paparazzi Mietwagen. Wenn über eine längere Strecke ein Auto mit einschlägigem Kennzeichen, etwa München oder Köln, hinter mir fährt, weiß ich Bescheid."
Natürlich kann der Chauffeur mit seiner wertvollen Fracht an Bord nicht die 340 PS aufheulen lassen und den Paparazzo wie eine lästige Schmeißfliege im Auspuffqualm zurücklassen. Aber er kann tricksen: "Wir sind ja ständig im Funkkontakt mit der Zentrale. Wenn ich verfolgt werde, rufe ich eben um Hilfe - dann schiebt sich ein Kollege zwischen mich und den Verfolger und trödelt vor der nächsten Ampel einfach ein Weilchen, bis die auf 'Rot' umschaltet." Holzhüter lächelt dabei so vergnügt, dass man ahnt: Der kleine Sport macht ihm diebischen Spaß.
Andere Saiten aufziehen muss das Team, wenn der Aufenthaltsort eines Stars verraten wurde: "Wir haben ja auch unsere Leute in Jeans und T-Shirt, die vor Ort die Aufklärer sind - wenn eine Unterkunft trotz Geheimhaltung bekannt wird, holen wir den Star durch die Tiefgarage ab." Dann wird ein zweiter Wagen als Köder zum Hoteleingang geschickt.
Mitunter reicht auch das nicht - dann darf ein Chauffeur "Star" spielen. "Wir haben in diesem Fall einen Kollegen ausgesucht, der von Größe und Statur dem Schauspieler ähnelte, und den haben wir dann dick vermummt vom Hoteleingang zur Limousine geschickt. Er hat das Blitzlichtgewitter sehr genossen."
Quelle: Berliner Morgenpost




